Strukturwandel in der Lausitz gestalten – drei Kernpunkte

Die Lausitz weist eine bewegte Geschichte auf. Sie war und ist Zentrum der Energiewirtshaft.

Mit den täglich wachsenden Erkenntnissen zum anthropogenen Klimawandel hat sich auch Deutschland Klimazielen verpflichtet und den Ausstieg aus der Kohle beschlossen. Auch wenn die Erkenntnis, dass die durch fossile Energieträger verursachte Erderwärmung zu klimatischen Turbulenzen führt, nicht wirklich neu ist, wird seitens Brandenburgischen Landesregierung der Eindruck gepflegt, dass der dazu nötige Strukturwandel überraschend kommt. Entsprechend geriert sich die Brandenburgische Regierung hilflos und verschleppt diesen weiter, anstatt gestaltend zu wirken. Um nicht Opfer der nötigen Veränderungen zu sein, sondern die wirtschaftliche und identitäre Krise zu nutzen, muss der Strukturwandel gestaltet werden. Dafür ist die Arbeit in drei Bereichen relevant: 1) eine fundamentale wissenschaftsbasierte Umgestaltung der (Industrie-)Unternehmen; 2) Renaturierung und Rekultivierung der devastierten Flächen und 3) der Ausbau von Teilhabestrukturen, Verkehrsinfrastrukturen und kultureller Beteiligungsmöglichkeiten.

1) Von fossilen Brennstoffen zu zukunftsweisenden Unternehmen

Es ist wichtig, massiv in innovative und wissensbasierte Industrien zu investieren – in Forschung und Entwicklung. CO2 ist zu interessant, um einfach nur unter die Erde zu packen. In Australien beispielsweise ist es Forscherinnen und Forschern gelungen, das Gas CO2 über den Einsatz von Katalysatoren in feste Kohle zu verwandeln, die sich aufgrund ihrer Eigenschaften möglicherweise als Superkondensator nutzen lässt.

Es sollten weitere Energieträger beforschen und zur Marktreife gebracht werden. Besonders spannend ist die Entwicklung von Bioenergiespeichern, die Mikroorganismen oder Algen integrieren. Aber auch der Ausbau von Forschung zu digitalen Medien und künstlicher Intelligenz ist für die Energiewende essentiell.

Universitäten und andere Forschungseinrichtungen müssen dabei noch eine größere Rolle als bisher spielen. Das Land Brandenburg hat beispielsweise eine Wissenstransferstrategie entwickelt, aber zur Umsetzung hört man wenig. Eine Studie der Friedrich-Ebert Stiftung hat ergeben, dass Forschungsreinrichtungen sehr viel mehr für die regionale Entwicklung tun können, wenn sie sich stärker den Bedürfnissen der Menschen und Unternehmen vor Ort zuwenden. Das wird aber aktuell im Wissenschaftssystem und seinen Bewertungskriterien nicht ausreichend honoriert.

2) Von degradierten Flächen zu einem multifunktionalen nachhaltigen Flächenmanagement

Die Folgeschäden des Braunkohletagebaus bedrohen mittlerweile das Trinkwasser von Berlin. Neben diesem eher unsichtbaren Problem der Sulfatbelastung ist die Verockerung der Spree, das Ausflocken von Eisen, sehr deutlich sichtbar und tötet tierische und pflanzliche Bewohner der Gewässer. Auch die extrem sauren „Restlöcher“ sprühen nicht direkt vor Leben, genausowenig wie die von fruchtbarem Boden befreiten gigantischen Wunden in der Landschaft, die jetzt teilweise mühsam wieder renaturiert werden.

Es ist essentiell, die großen ökologischen Schäden wieder zu sanieren und die Lebensräume und Habitate wieder herzustellen. Es wird jedoch auf absehbare Zeit nicht möglich sein, wieder eine Art „Urzustand“ oder Wildnis herzustellen. Dazu sind die Prozesse zu stark überformt. Es ist aber wichtig, sehr viel stärker als aktuell darüber ins Gespräch zu kommen, wie diese Flächen genutzt werden sollen, wo steht Natur- und Prozessschutz im Vordergrund, wo der Tourismus, und wo können Flächen für weitere Funktionen genutzt werden, etwa zum Testen von Agroforstsystemen oder Bio-Speichern. Dafür ist die intensive Einbindung von verschiedenen Interessensgruppen wie beispielsweise der Einwohner, der Unternehmer oder Naturschutzverbände in eine integrierte Planung des Braunkohleausstiegs unabdingbar.

3) Das Miteinander gestalten

Menschen sind soziale Wesen. Die Gestaltung gesellschaftlicher Teilhabeprozesse ist besonders wichtig in Regionen, wo das Leben von Menschen von Unsicherheit und Verlustängsten geprägt ist, und wo die Selbstwirksamkeit so stark in Frage gestellt wird, sei es durch das Abbaggern der eigenen Heimat oder durch den Verlust des Arbeitsplatzes. Die Ergebnisse der Enquete-Kommission zum ländlichen Raum bieten sehr wichtige Anhaltspunkte beispielsweise zur Erhaltung oder Schaffung dörflicher Strukturen wie Treffpunkte oder kulturelle Veranstaltungen, zur Versorgung mit Ärzten der Bildungsangeboten und der Möglichkeit, diese auch mit dem öffentlichen Nahverkehr oder über ein öffentliches digitales Netz zu erreichen.

Darüberhinaus müssen Menschen stärker ermächtigt werden, Teil der Wissensgesellschaft zu sein. Hierfür müssen Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen mehr Möglichkeiten für Dialog und Teilhabe bieten und offensiver auf die Menschen zugehen. Reallabore und Bürgerforschungsprojekte, Citizen Science, bieten dafür noch viel Potential. Es lohnt sich zum Beispiel, die Wirksamkeit der Raumpioniere über ihre kleinen Raumschiffe – Höfe, Kleinunternehmen oder Ideenschmieden – in die Dörfer und Regionen hinein zu betrachten.

Es muss mit Nachdruck darauf geachtet werden, dass die von der „Kohlekommission“ versprochenen 20 Milliarden Euro auch tatsächlich für die richtigen Dinge ausgegeben wird – Forschung und Entwicklung, integrierte nachhaltige Raumplanung und das soziale Miteinander.

 

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